Die Geschichte der Steirischen Harmonika
Die Steirische Harmonika hat eine kurze, aber sehr bewegte Geschichte. Sie hat sich vom anfänglichen Schreckgespenst zu einem beliebten Volksmusik Instrument entwickelt. Entgegen ihres Namens geht sie auf das 1829 entwickelte Accordion zurück. Das Wort steirisch soll als Synonym für das Bodenständige und die alpenländische Volksmusik gelten. Die Steirische Harmonika hat die lokalen Volksmusikstile der Orte übernommen, an denen sie gespielt wird. Sie hat also andere Instrumente ersetzt, mit denen die Lieder einst gespielt wurden.
Das Accordion
Das Accordion ist das Ur-Instrument der Steirischen Harmonika. Es wurde von Cyrill Demian zusammen mit seinen Söhnen Carl und Guido erfunden. Cyrill Demian reichte am 6. Mai 1829 das Patent für das Accordion ein, am 23. Mai 1829 erhielt er schliesslich das Patent für zwei Jahre, welches 1831 um drei weitere Jahre verlängert wurde. Das Accordion war die erste Handharmonika, auf welcher man ganze Akkorde spielen konnte und nicht nur einzelne Töne. Es war ein wechseltöniges Instrument mit einem Bass und 5 Tasten auf der Diskantseite. Im Gegensatz zu heute wurde das Accordion im liegen gespielt. Die Steirische Harmonika geht also auf das Accordion zurück. Bereits 1870 wurden Instrumente gebaut, die äusserlich genau gleich aussehen, wie die Steirische Harmonika heute aussieht.
Verbreitung der Steirischen Harmonika
Die Steirische Harmonika wird im ganzen Alpenraum gespielt. Im 20. Jahrhundert, hatte die Steirische Harmonika einen schweren Stand, da man sie nur nach Gehör lernen konnte. Es gab zwar eine Methode von Ditsch, diese wurde allerdings nie angewandt, weil sie nicht praxistauglich war. Zwischen 1950 und 1970 wäre sie schliesslich beinahe ausgestorben. Im Wirtshaus, wo sie ihre kleine Bühne gehabt hatte, wurden plötzlich Musikautomaten aufgestellt. Der Musikgeschmack der Menschen veränderte sich in dieser Zeit wesentlich, so waren plötzlich die amerikanische Musik und der Schlager populär. Aufgrund ihrer tonlichen Begrenzung konnte man die amerikanische Musik auf der Steirischen nicht spielen. Die neue Musik aus Amerika war also beinahe der Killer der Steirischen. Um 1980 hat die Steirische Harmonika mit der Einführung der Griffschrift durch Max Rosenzopf schliesslich einen Riesenaufschwung erlebt. Mit der Griffschrift war nun ein Lehrmittel vorhanden, mit dem es auf eine relativ einfache Weise möglich war, die Steirische Harmonika zu lernen. Praktisch zeitgleich hat Josef Peyer ein Schulwerk in Notenschrift herausgegeben. Die wichtigste Identifikationsfigur der letzten 20 Jahre ist Hubert von Goisern. Obwohl er das Instrument mehr dekorativ einsetzt, hat er es wie kein anderer wieder in den Mittelpunkt gebracht. Die Band Attwenger hat ebenfalls ihren Beitrag dazu geleistet, indem sie die Steirische Harmonika auf eine komplett neuartige Weise verwendet haben.
Ursprung der Griffschrift
Max Rosenzopf hat die Griffschrift um 1980 eingeführt. Diese geht auf die schweizerische Helbling-Tabulator zurück. Da die Notenschrift in der rhythmischen Notation sehr gut entwickelt war, übernahm Helbling diese und gab ihr anstatt einer absoluten Bedeutung eine relative Bedeutung. Anstatt die Tonhöhe darzustellen, hat er also die entsprechenden Tasten angegeben. Deswegen ist Griffschrift der Steirischen Harmonika praktisch identisch mit jener des Schwyzerörgelis. Der grösste Unterschied liegt wohl darin, dass für die Steirische Harmonika im Normalfall eine Reihe mehr dargestellt werden muss, da das Schwyzerörgeli normalerweise drei Reihen besitzt und nicht vier wie die Steirische Harmonika.
Entwicklung des Instruments mit der Zeit
Optisch hat sich die Steirische Harmonika seit 1870 nicht verändert. Die Firma Stachl hatte einmal eine Steirische Harmonika mit umschaltbaren Tonarten gebaut, dies hat sich allerdings aufgrund des zu hohen Gewichtes und des nicht mehr typischen Steirischen Klanges nicht durchgesetzt. Ein weiteres Problem war, dass der Umschaltmechanismus keinen Raster hatte, womit die Stimmstöcke praktisch nie sauber auf den Öffnungen lagen. Somit waren die Töne praktisch nie genau. Die Mechanik wurde aber stark optimiert um beispielsweise klappernde Tasten zu vermeiden. Die neuste Entwicklung ist die Midi-Harmonika der Firma LIMEX. Mit dieser lässt sich jede Stimmung einstellen, dies geschieht elektronisch.
Quellen:
- Interview Wolfram Märzendorfer (Harmonikaszentrum Graz)
- Der Vierzeiler Nr. 2 / 2005
- Interview Josef Thier (Strasser Harmonika)
- „In aller Munde“, Conny Restle
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de.wikipedia.org/wiki/Steirische_Harmonika